Träume verstehen

Progression des Seins

Das Wesen der Träume

fruehling„Träume zu träumen ist eine herrliche Sache. Man erlebt die tollsten Dinge, ohne einen Pfennig dafür auszugeben. Man muss das Traumgerät, den Kopf, nirgendwo anmelden und braucht auch niemandem Rechenschaft darüber abzulegen.“ (Max Goldt)

Sicher der Goldtschen Betrachtung, lässt sich nicht widersprechen. Aber es ist, wie so oft nur, ein Versuch das Phänomen Traum zu greifen, zu begreifen. Träume fordern uns, nicht nur inhaltlich, sondern auch in Ihrem Wesen, denn die Frage: Was Träume eigentlich Träume sind und welchen Sinn sie haben, ist bis heute nicht hinreichend geklärt. Philosophen, Forscher, Humoristen, Psychologen, Therapeuten, Skeptiker und Kulturschaffende von der Antike bis heute haben nach und nach zwar verschiedene Aspekte beleuchtet und dazu beigetragen, das Phänomen Traum zu erklären, dennoch bleiben viele Fragen.

Einige dieser Ideen haben an Bedeutung verloren, andere Auffassungen halten sich bis heute. Auffallend ist, dass alle Versuche, Träume in ihrem Wesen zu charakterisieren, durch das jeweilige Menschen- und Weltbild beeinflusst sind. Bis weit ins Mittelalter hinein waren zum Beispiel die Menschen davon überzeugt, dass Träume einen religiösen Ursprung haben und man hat deren Botschaft einen absoluten Wahrheitsanspruch beigemessen – so wurden Träume als Beweismittel in Hexenprozessen herangezogen.

Im Zeitalter der Aufklärung standen die Philosophen allem Träumerischen zum Glück wieder skeptischer gegenüber, vielleicht zu skeptisch, denn für den aufgeklärten, selbstverantwortlichen und selbstbewussten Menschen waren Träume bedrohlich. Sie schienen unkontrollierbar und ließen keinen deutlichen Bezug zum Wachleben erkennen. Der Traum war damit der Widersacher des Lebens (Bartels), der dem vernünftigen Handeln im Weg stand.

Auch heute noch hält sich diese Meinung hartnäckig – vor allem in akademischen Kreisen – Träume sind Schäume und Leute, die sich mit „so etwas“ beschäftigen sind romantisch, lebens- und alltagsfern. Diese abwertende und auch vorurteilsvolle Haltung hat sich neben der zum Teil auch religiösen-mystischen Sichtweise im öffentlichen Bewusstsein hartnäckig gehalten.

Sigmund Freud schenkt uns eine psychologische Perspektive und wertet die Träume als Erkenntnisquelle enorm auf, weil sie viel über unsere Motive verraten. Träume handeln seiner Ansicht nach von dem, was wir uns im Wachen verbieten, uns aber eigentlich sehr wünschen – und das waren um 1900 in erster Linie nicht gelebte sexuelle Phantasien.

Der Neurowissenschaftler Marc Solms greift diese Idee auf, und bestätigt die Freudschen Thesen, mit modernen bildgebenden Verfahren, die belegen, dass beim Träumen vor allem die motivationalen und emotionalen Bereiche im Gehirn aktiv sind. Im Traum geht es nach Solms also nicht um Belangloses, sondern die Themen kreisen um das, was uns wirklich wichtig ist.

Das erkennen wir auch daran, dass in Träumen nicht viel rumgeplänkelt wird, es werden keine Komplimente verteilt und es gibt keine ritualisierten Umgangsformen. Die Züricher Traumforscherin Inge Strauch formuliert: „Die Traumfiguren sagen gewöhnlich nicht „Wie geht’s?“, wenn sie sich treffen, und sie überbrücken auch nicht die Zeit mit Gesprächen über das Wetter, sie langweilen sich nicht, sondern kommen gleich zur Sache.“

Träume rücken die emotionalen, konflikthaften und somit die sozialen Aspekte unseres Daseins in den Vordergrund. Sie behandeln Themen, die die Beziehung zu uns selbst und unseren Mitmenschen beleuchten. Sie bleiben dabei assoziativ und tun möglicherweise das Gleiche, wie das Gehirn im Wachen – es löst Probleme.

Solms, Mark Turnbull, Oliver (2004): Das Gehirn und die innere Welt. Neurowissenschaft und Psychoanalyse. Düsseldorf: Patmos

Bartels, Martin (Hg.) (1994): Traumspiele. Hamburg: Junius

Freud, Sigmund (1991): Die Traumdeutung. Frankfurt: Fischer

Max Goldt (2003) Für Nächte am offenen Fenster: Die prachtvollsten Texte 1987-2002. Rowohlt

Strauch, Inge; Maier, Barbara (2004): Den Träumen auf der Spur. Zugang zur modernen Traumforschung. Bern: Huber

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