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Philosophie des Traums Was sind Träume?
Für manche Menschen sind Träume göttliche Botschaften, für die meisten Neurobiologen und andere Wissenschaftler, nichtssagendes Gemauschel, das in der zufälligen Entladung von Neuronen gründet. Ehrlich gesagt ein ziemlich weites Spektrum, und es gibt tausende Aussagen, die sich im Mittelfeld tummeln. Doch was ist nun richtig, was ist falsch? Vielleicht überrascht es Sie, aber es gibt auf diese Frage keine klare Antwort. Denn die Funktion des Träumens ist nicht erklärbar, da das Erlebnis des Träumens wissenschaftlich nicht „greifbar“ ist. Wir können Träume nicht anfassen. Was uns bleibt ist die Erinnerung an etwas, das wir im Schlaf erfahren haben. Diese Erinnerung, einer als ganzheitlich und authentisch erlebten Erfahrung, findet schließlich ihren eindimensionalen sprachlichen Ausdruck in der Erzählung. Diesen Mangel finden Sie noch deutlicher in den nackten und kalten Aussagen von Wissenschaftlern, wie z.B. von Allan Hobson: "Träumen ist eine subjektive Erfahrung einer Gehirnaktivierung während des Schlafs." Schlagen wir das psychologische Wörterbuch von Dorsch Immer noch sehr populär: Träume sind Schäume, Seifenblasen, die beim Aufwachen zerplatzen, Hoffnungen, die sich als trügerisch erweisen. In der vorchristlichen Welt und im Mittelalter war man sich sicher, dass Träume göttliche Botschaften sind. Der Mensch war über den Traum und die Vision mit dem Göttlichen verbunden: Ein Fenster ins Jenseits und die Welt des Kommenden. Heute wird diese Dimension des Träumens als spiritueller - als das Bewusstsein erweiternder Aspekt des Träumens betrachtet. Von den meisten Menschen werden Träume verstanden, als Botschaften, die aus der Tiefe der Seele stammen, sie möchten dem Träumer etwas mitteilen. Dies ist ein Aspekt der kreativen Kraft der Träume, deren symbolträchtige Bildsprache sich oftmals wissender, sinnhafter und bedeutender als die Phantasien und Gedanken des Wachbewusstseins darstellt. Joseph von Eichendorff beschreibt die dramatische Struktur von Träumen in seinem Ausspruch: „Der Traum ist die Urform der Poesie.“ In der Epoche der Romantik verstand man den Traum als Messlatte für alles dichterische Schaffen. Die Poesie war der Versuch den Traum in seiner Ästhetik und Logik zu übertreffen. Damit klingt an, dass viele Träume kreativ und phantastisch anmuten und einen Spannungsbogen besitzen, eine stimmige Struktur mit einer Einleitung, einem Mittelteil und einem Schluss. Eine rein psychologische Vorstellung vom Mysterium Traum entwickelte Sigmund Freud. In einer Zeit, in der das Unbewusste "erfunden" wurde. Der Traum war für ihn der Hüter des Schlafs. Er war sich sicher, dass der Traum das Wachbewusstsein vor unbewussten und gefährlichen Impulsen bewahrt. Wünsche, die im krassen Widerspruch zu den Werten und Normen stehen und somit tabu sind. Käme dem Träumer sein z.B. sexuelles Bedürfnis unverhüllt zu Bewusstsein würde er aufwachen. Deswegen müssen nicht annehmbare Inhalte maskiert und symbolisiert, also erst unkenntlich gemacht werden. Freuds Traumtheorie ist mittlerweile in seiner komplizierten Form verworfen - aber in seinem elementaren Aspekt, nämlich, dass Träume stark mit unseren unbewussten Wünschen und Bedürfnissen zusammenhängen erhält Freud Unterstützung von einem modernen Kollegen, von Mark Solms. All diese Antworten stehen in unserer Gesellschaft nebeneinander. Noch immer glauben viele Menschen, dass Träume das Tor zu einer anderen Welt aufstoßen, wohingegen der wissenschaftliche Mainstream stets darum bemüht ist, das Tor zum Numinosen für immer zu schließen. Ich denke, das wird ihnen nicht gelingen, denn letztendlich bleiben Träume private und intime Erlebnisse. Sie sind ein Spiegel unserer alltäglichen Erfahrungen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Entwicklungen. Träume bleiben Innenansichten des eigenen Erlebens, die wir nur durch Erzählungen mit anderen teilen können. Twittern
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© 2010 Markus Salhab |









