Traumforschung

Nächtliches Trainingslager

ballWenn uns Kinder einen Traum erzählen, erkennen diese meist bereits an unserem Stirnrunzeln, dass es sich nicht lohnt, weiter über ihr nächtliches Abenteuer zu sprechen. Vorurteilsvolles Denken hindert uns daran das Gesprächsangebot des Kindes anzunehmen. Schauen wir uns mal eines dieser Vorurteile genauer an: "Träume sind Schäume und eigentlich funktionslos." Ist diese allgemein gehegte Überzeugung aber wirklich richtig?

Machen wir dazu ein kleines Gedankenexperiment und stellen uns folgende Situation vor: Fabian kommt vom Training nach Hause und erzählt seinem fußballbegeisterten Vater von seinen Dribblings und Flanken, die ihm heute besonders gut gelungen sind. Wie die meisten Väter wäre wohl auch Fabians Vater stolz und würde seinem Sohn aufmerksam zuhören. Stellen Sie sich nun vor, Fabian erzählt seinem Vater die gleiche Geschichte am frühen Morgen als Traumerlebnis. Würde er ihm die gleiche Aufmerksamkeit schenken? Eher nicht.

Heute wissen wir aber, dass Menschen durch mentales Üben ähnliche Trainingseffekte erzielen können, wie wenn sie die zu erlernende Bewegungsabfolge real ausführen. Ganz Ähnliches können wir auch beim Träumen vermuten. So lassen sich ausgeführte Bewegungen im Traum in den entsprechenden motorischen Arealen des Gehirns durch eine erhöhte Stoffwechselaktivität und auch in einer leicht erhöhten Muskelaktivität nachweisen.

Dass sich im Traum motorische Fähigkeiten trainieren lassen, legen auch Untersuchungen von Daniel Erlacher nahe. Er ließ luzide Träumer – Menschen, die sich im Traum darüber bewusst sind, dass Sie träumen – Kniebeugen und Münzwürfe im Schlaf trainieren. Es zeigte sich, dass im Gegensatz zu einer Vergleichsgruppe die Kniebeugen und Münzwürfe am nächsten Morgen von der trainierenden Gruppe besser ausgeführt werden konnten, sich also ein Trainingseffekt eingestellt hat.

Unsere Schlussfolgerung wäre somit, dass Fabian auch im Traum seine Dribblings perfektioniert. Die Traum-Bewegung konsolidiert sich ganz unabhängig davon, ob wir diese erinnern, in dem entsprechende neuronale Netze aktiviert werden und die Erfahrung sich somit vertieft.

Wenn Ihr Sohn im Traum also einen Gegner umdribbelt und ein spektakuläres Tor schießt, dann stärkt dies sein Selbstbewusstsein und er trainiert Bewegungsabläufe ganz ähnlich wie im Wachen – wäre es da nicht angebracht dieser Erzählung mit gleichem Interesse zu begegnen wie der Erzählung aus dem Training?

Nachzulesen in dem Buch Traumgespräche, von Bianca Jäger und Markus Salhab

 

 

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© 2010 Markus Salhab

 
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