| Sonntag, den 05. September 2010 um 10:51 Uhr |
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Schlafforschung Weshalb wir schlafen
Vor einigen Jahren watschelte eine Ente durchs Land, die verkündete, dass Vokabeln, die man dem Schläfer vorspielt, automatisch gelernt werden. Was ist von dieser These übrig geblieben? Ganz ganz wenig. Aber immerhin, Untersuchungen zeigen: Wer Gelerntes nachhaltig behalten möchte, der sollte ordentlich schlafen. Die Macht, mit der uns das Schlafbedürfnis überfällt, zeigt: Unser Körper zwingt uns mit drastischen Mitteln zum täglichen Schlafen. Auch wenn sich manche Menschen wünschen, das lästige Nichtstun ganz und gar abzuschaffen, um unentwegt produktiv zu sein, es funktioniert nicht. Schlafen ist essentiell, dies zeigen Schlafentzugsexperimente an Tieren, die binnen weniger Tage allesamt versterben. Schlafentzug führt sogar schneller zum Tod als Nahrungsentzug. Es ist eines der schlimmsten Foltermethoden, die es gibt. Jeder hat das schon in ähnlicher Form erfahren, wenn er aufgrund äußerer Zwänge – zum Beispiel beim Autofahren - am Schlafen gehindert wird. Offensichtlich fordert der Körper ein, was er braucht. Was passiert im Schlaf? Wenn wir schlafen befinden wir uns für ca. acht Stunden in einem Zustand, in dem sich Geist und Körper ganz auf sich selbst besinnen. Im Schlaf sind die Pforten zur Außenwelt weitgehend geschlossen: Sinnesreize, Viren und Bakterien haben jetzt nur noch beschränkten Zutritt. Gegen die langgehegte Vermutung, dass wir im Schlaf nichts tun, bzw. uns lediglich von den Mühen des Tages ausruhen, sprechen unzählige physiologische Prozesse im Körper. Die Stoffwechselaktivität ist kaum geringer als im Wachen. "Der Mensch spart in acht Stunden Schlaf gerade mal die Energie eines Toastbrotes", sagte Zulley in einem Gespräch mit Spiegel Online und widerlegt damit ein Argument des amerikanischen Schlafforschers Siegel, der glaubt, dass der Schlaf in erster Linie ein Energiesparmodus unseres Körpers ist. Unser Gehirn arbeitet vor allem im REM-Schlaf auf Hochtouren, unsere Verdauung ist tätig, alle anderen Organe sowieso. Lediglich die Muskeln sind entspannt. Also von Ruhe keine Spur. Aber was passiert genau?
Der renommierte amerikanische Schlafforscher Matthew Walker meint: „Es scheint, dass man während des Schlafs Erinnerungen in jene Hirnregionen verschiebt, die sich für die Lagerung besser eignen.“ Und meint damit die Übertragungen von Erlebnissen des Tages vom Hippocampus in die Großhirnrinde, wo sie für immer strukturellen Boden unter den Füßen finden. Aber weshalb kann das nicht im Wachen stattfinden? Die Forscher gehen davon aus, dass Neuronen nicht multitasking fähig sind, sie können nicht gleichzeitig neue Informationen aufnehmen und bereits gemachte Erfahrungen verarbeiten. Sollten Kleinkinder und Babys deswegen so viel schlafen, weil es so viel zu lernen gibt? Naheliegend, denn sie haben im Vergleich zum Tiefschlaf, einen höheren Anteil von REM-Schlaf (Rapid Eye Movement). Während des REM-Schlafs werden vor allem Bewegungsabläufe eingeübt: Krabbeln, laufen, in Ansätzen sprechen. Vokabeln hingegen werden eher in den Tiefschlafphasen verarbeitet, Vokabeln, die zuvor gelernt wurden selbstverständlich. Allerdings, welche Wissensinhalte und welche Erfahrungen in welchen Schlafphasen „gelernt“ werden, ist noch nicht ausreichend geklärt. Fassen wir also nochmals zusammen: Im Schlaf sind wir von äußeren Einflüssen abgelöst. Der Körper regeneriert sich, repariert, was tagsüber geschädigt wurde, unausgewogene physiologische Prozesse finden wieder ins Gleichgewicht, Kinder können ungestört wachsen und unser Darm kümmert sich in Ruhe um seinen Inhalt. Und ganz wichtig, wir festigen unsere tagsüber gemachten Erfahrungen. Aber was ist mit dem Träumen? Während unser Körper und das Gehirn all diese mühsame Arbeit verrichtet, verwöhnt uns das Gehirn mit angenehmen, bzw. spannenderen Dingen: Den Träumen. Aus dieser Perspektive scheint es nachvollziehbar, wenn viele Forscher annehmen, dass das Träumen lediglich eine verzichtbare Begleiterscheinung des Schlafes ist. Denn es ist zu bezweifeln, dass die Träume, die Konsolidierungsprozesse, also den Aufbau der Gedächtnisinhalte, unterstützen. Mark Solms hat festgestellt: Menschen, denen die Fähigkeit zum Träumen durch Schädigungen bestimmter Hirnstrukturen genommen ist, haben keine nennenswerten Einbußen ihrer kognitiven Funktionen zu beklagen. Sollte das Träumen wirklich nutzlos sein? Quellen: Der Spiegel - Wissen: Schlaf und Traum http://meaulnes.legler.org/Artikel/LernenImSchlaf.html http://www.zeit.de/2010/13/M-Jan-Born-Interview Peretz Lavie: Die wundersame Welt des Schlafes Twittern
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