Erotische Träume

Ach, wie beschämend! 


froschpaar

 

Jeder hat erotische Träume. Knisternde Erlebnisse, nicht immer mit dem eigenen Partner oder der eigenen Partnerin - oftmals mit Unbekannten und manchmal in einer Art und Weise, für die wir uns im Wachen schämen. Im Traum schwappt an die Oberfläche was wir uns bislang nicht zu (tag)träumen wagten. Da werden Tabus einfach ignoriert und leidenschaftliche Szenarien entworfen. Im Traum brechen Dämme und Deiche. Alles ist möglich!

Träume scheinen es nicht so genau zu nehmen, setzen sich machtvoll über Konventionen hinweg. Bekannt sind die geißelnden Mönche, die im Schlaf trotz aller Askese und Disziplin mit ihren niedersten Bedürfnissen konfrontiert waren. In der christlichen mittelalterlichen Traumdeutung waren Sexträume sogar teuflische Träume und wer vom Teufel träumt war ein Kandidat für den Scheiterhaufen.

Freud, der Vater der modernen Traumdeutung, nahm an, dass alle Träume sexuell motiviert sind. Heute wissen wir: Freud hat leicht übertrieben, schließlich gibt es viele andere Sachen, über die wir uns einen Kopf machen: Probleme, Konflikte, Wünsche, Ideen, Phantasien, die ganz und gar nichts mit Sex und Erotik zu tun haben müssen. Allerdings ist die Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit, Sexualität ein Grundbedürfnis des Menschen. Für eine gesunde Entwicklung ist es wichtig, dass dieses Grundbedürfnis erfüllt wird. Es scheint fast so, als wollten uns die erotischen Träume daran erinnern.

Ob jemand erotische Träume hat oder nicht, hängt sehr von der jeweiligen Lebenssituation ab. So gesehen gründen erotische Träume im Alltag. Wie sich diese erotischen oder sexuellen Erlebnisse im Traum gestalten, hängt zudem stark mit der Persönlichkeit des Betreffenden zusammen. So ist es sehr wahrscheinlich, dass Menschen die eine eher ablehnende, schamhafte Beziehung zum Sex haben auch im Traum eher seltsame, befremdliche erotische Kontakte erleben. Wohingegen Menschen mit einer offenen und eine von Verboten und Einschränkungen befreiten Einstellung zur Sexualität, natürlicher und selbstverständlicher von erotischen Beziehungen träumen.

Ich möchte folgende Arten von erotischen Träumen unterscheiden:

 1.) Erotische Phantasien mit Menschen, die wir attraktiv finden oder lieben.

 2.) Sexuelle Gefühle gegenüber Bekannten, von denen wir uns bewusst überhaupt nicht angezogen fühlen.

 3.) Sexuelle bzw. traumatische Erfahrungen, die im Traum nochmals durchlebt werden oder sich verändert darstellen.

 4.) Verschiedene Sachverhalte, deren Verarbeitung der Persönlichkeitsentwicklung dienen und die in einem erotischen Traum ihren symbolischen Ausdruck finden.


 

Eines haben alle erotischen Träume gemeinsam, sie dienen als Denkanstoß, sich mit seiner Sexualität und den damit verbundenen Beziehungen zu unseren Mitmenschen auseinanderzusetzen.


Verraten erotische Träume geheime Sehnsüchte?

Ja, oftmals tun sie dies. Wir können uns also beim Aufwachen aus einem erotischen Traum die Frage stellen: "Was wünsche ich mir eigentlich?" Meist ist uns dies im Traum offenbarte Bedürfnis überhaupt nicht bewusst:

Traum einer Frau (36 Jahre): Ich träume vom besten Freund meines Mannes. Wir begegnen uns ganz selbstverständlich ohne Scheu und ohne Hemmungen. Wir berühren uns zärtlich und halten uns eng umschlungen. Ich habe mich noch nie so geborgen und vollständig gefühlt wie in diesem Augenblick. Schließlich wache ich total irritiert auf.

Auf die Frage des Therapeuten, ob es denn im Umgang miteinander bestimmte Anzeichen für diese im Traum erlebte Nähe gegeben hätte, antwortete die Träumerin: "Offensichtlich habe ich alle Anzeichen dafür schlicht verdrängt. Es fällt mir jetzt auch nicht leicht dies jetzt so einzugestehen. Seine kleinen, versteckt gehaltenen Komplimente, das Gefühl der Vertrautheit in seiner Nähe, seine unaufdringliche Präsenz, seine Hilfsbereitschaft, ein kurzes Verweilen seines Blickes auf meinen Händen und meine Bereitschaft all diese kleinen Präsente anzunehmen."

Die Träume - sie haben sich eine zeitlang wiederholt - traten allerdings erst in einer Phase auf, in der es zu heftigen Konflikten zwischen den beiden kam, scheinbar sinnlose Streitereien, Auseinandersetzungen, die jeder Grundlage entbehrten. Der Traum gab der Träumerin nun die Gelegenheit die Gründe des Zerwürfnisses zu begreifen. Eine unbewusst begründete Auseinandersetzung zwischen zwei Menschen, denen es nicht erlaubt ist, sich zu begegnen und zu lieben. Die Bewusstwerdung der sexuellen Gefühle für diesen Freund half der Träumerin sich zumindest innerlich mit dem begehrten Mann zu versöhnen.

Oftmals können uns also Träume ganz direkt mit unseren geheimsten Sehnsüchten konfrontieren, so als würden sie uns wachrütteln wollen. Eine junge Frau 29 Jahre alt träumt: Ich habe ein sexuelles Erlebnis mit einer mir unbekannten Frau. Sie bedrängt und verführt mich.

Die Frage des Therapeuten "wie sie sich denn in dieser Situation fühlte und verhielt", beantwortet die Träumerin folgendermaßen: Ich bin sehr passiv im Traum, ich wehre mich rein gar nicht, ich lasse alles mit mir geschehen. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen fühle ich mich tief erregt und spüre Zuneigung gegenüber dieser Frau. Auf die Frage wer den die Partnerin im Traum sein könnte, meint die Träumerin: "Ich kann es nicht so recht erkennen, sie trägt maskuline aber auch weibliche Züge. Eine Freundin von mir, die selbst lesbisch ist, erinnert mich an sie." Später meint sie: "Ich konnte mir bis dahin niemals vorstellen mit einer Frau zu schlafen. Sicherlich war dies bislang ein Tabuthema für mich.

Nach diesem Traum fühle ich mich dahingehend irgendwie aufgeschlossener." Unbekannte Personen in Träumen können schemenhaft stellvertretend für uns bekannte Personen stehen. Das Bewusstwerden dieser unbewussten Aspekte hilft zu einem vollständigerem Erleben und Leben. Damit ist nicht zwangsläufig verbunden, dass wir diese Bedürfnisse auch leben müssten oder sollten, denn allein das Eingeständnis dieser Wünsche dient schon einer gesunden Persönlichkeitsentwicklung.

Mehr zu erotischen Träumen können Sie auch im Traumforum nachlesen, oder selbst einen erotischen Traum einstellen: Erotische Träume im Traumforum

 

 


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© 2010 Markus Salhab

 
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