Träume verstehen

Progression des Seins

Als die Sphinx zum ersten Mal ausgegraben wurde

sphinxTräume wurden in der antiken Welt oft dazu genutzt, um Machtansprüche der Könige zu legitimieren. Die biblischen Erzählungen, das Gilgamesch-Epos und viele Inschriften auf ägyptischen Tempeln künden davon. Wären Politiker heute ähnlich „verträumt“ würde man  deren Geisteszustand anzweifeln. Kein Wunder, denn Träume sind als Sprachrohr Gottes nicht mehr zu gebrauchen. Vor 3000 Jahren war das noch ein wenig anders, wie uns die Geschichte von Thutmosis IV erzählt.

Wenn Sie jemals vor der Sphinx von Gizeh standen, dann ist Ihnen sicher ein Stele aufgefallen, die zwischen den Pranken des Mischwesen steht. Es ist die sogenannte Traumstele, die den Menschen seit über 3400 Jahren davon erzählt, was Thutmosis als Jugendlicher im Traum sah.

Man muss bedenken, dass die Sphinx zur Zeit Thutmosis schon eine archäologische Sensation war. Vom Sand fast vollständig bedeckt, erinnerte sie wage an die glorreiche Zeit der Pharaonen des alten Reiches. Ein stummes Zeitzeugnis einer älteren Epoche. Wind und Sand plagten die Stoische (damals noch mit Nase und Bart) schon seit über 1000 Jahren, als sich der jugendliche Prinz in der Wüste im Schatten der Sphinx vom Jagen erholte. Er schlief ein und träumte. Davon erzählt die Traumstele:

„Seine Majestät (Thutmosis IV.) aber war ein Kind wie Horus, der ein Kind in Chemmis war aber seine Vollkommenheit war wie die desjenigen, der seinen Vater rächt. Er (Thutmosis IV.) aber trieb Sport, indem er sich in der Wüste von Memphis vergnügte, … ohne dass es jemand wusste … An diesem Tage geschah es, dass der Königsohn Thutmosis zu Mittag hier des Wegs kam und sich im Schatten dieses großen Gottes zur Ruhe legte. Der Schlaf und Schlummer hatte ihn ergriffen, mitten als die Sonne im Zenit stand. Da hörte er die Majestät dieses großen Gottes mit eigenem Mund reden, wie wenn ein Vater zu seinem Sohn spricht: Siehe, mein Sohn Thutmosis, ich bin dein Vater Harmachis-Chepre-Re-Atum, der dir sein Königreich auf Erden geben wird als Höchster der Lebenden. Du sollst die weiße und die rote Krone auf dem Thron des Geb tragen. Das Land soll dir gehören in seiner Breite und Länge … „

„ … Der Sand der Wüste, auf dem ich mich befinde, nähert sich mir. Ich habe gewartet, dass du das machst, was sich in meinem Herzen befindet, wissend dass du mein Sohn und Schützer bist. Nähere dich, ich bin der, der dich führt.“ (Sphinxstele (Urk IV, 1539a-1544))

Thutmosis bedankte sich nach der Thronbesteigung, indem er die Sphinx vom Sand befreite und ihr eine Umfassungsmauer bauen lies. Damit war sie vor zukünftiger Schädigung durch Sand und Wind geschützt. Naja, zumindest zeitweise, denn Bilder und Berichte belegen, dass die (der) Sphinx immer wieder, fast vollständig im Sand der Wüste versunken ist und stets von neuem ausgegraben werden musste.

Quellen des Textes auf der Traumstele: Wikipedia

Pongracz, M. & Santner, I. (1963): Das Königreich der Träume – 4000 Jahre moderne Traumdeutung, Wien: Zsolnay

Categories: Traumblog

Schreibe einen Kommentar

© Markus Salhab - Gerberstr. 31 - 78050 Villingen - 07721/2060676 - kontakt@markus-salhab.de

traeume verstehen - der leitfaden