Träume verstehen

Progression des Seins

Der Traum, der geistige Blinddarm?

himmelSchon vor ca. 180 Millionen Jahren entstanden bei Tieren die biologischen Strukturen, die das Träumen ermöglichen. Noch bevor es den Menschen gab, ist das Träumen somit ein wesentlicher Bestandteil der Entwicklung des Lebens auf der Erde. Es gehört zum Wesen der meisten Säugetiere und der Vögel. Doch aus welchem Grund hat sich die Natur dazu entschieden, den Lebewesen diese ganz besondere Fähigkeit zu schenken?

Wenn wir an unsere Organe denken, die Leber das Herz und die Lunge, dann können wir diesen Funktionen zuordnen. Auch die mentalen Prozesse wie das Rechnen, Sprechen und Denken haben einen Sinn. Gilt dies auch für das Träumen? Manche Menschen glauben, dass Träume die Pforte zu einer anderen Welt sind, dass ihre verstorbenen Verwandten mit ihnen im Traum Kontakt aufnehmen können oder ihre Seele im Traum den Körper verlässt oder einen Blick in die Zukunft riskiert. Viele Forscher hingegen beschreiben Träume ganz nüchtern schon mal als unnütze Abfallprodukte des Schlafes und bezweifeln, dass sie irgendeine Funktion haben. Ganz ähnlich wie der Blinddarm, ein verzichtbares Anhängsel unserer geistigen Fähigkeiten? Die Meinungen über den Traum bewegen sich also in einem enormen Spannungsfeld. Auf der einen Seite werden sie esoterisch überhöht, ja mystifiziert und auf der anderen Seite abgewertet, ignoriert. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Genaue Antworten gibt es allerdings nicht. Es ist auch nicht möglich, die jeweilige Funktion der Träume, des Tiefschlafs und des REM-Schlafs getrennt voneinander zu untersuchen, da sie sich überlagern. Selbst die Funktion des Schlafens ist nicht ausreichend geklärt und somit bleiben alle Versuche, die Funktion des Träumens zu bestimmen, spekulativ.

Sigmund Freud glaubte, dass Träume uns Wünsche erfüllen, die wir uns im Wachen versagen. Andere Forscher meinen, dass uns das nächtliche Fantasieren dabei helfen soll, wieder ins seelische Gleichgewicht zurückzufinden. Vielleicht kennen Sie das ja auch: Mies gelaunt einschlafen und am nächsten Morgen erholt, frisch und wohl gestimmt wieder aufwachen. Der Volksmund formuliert diese Verwandlung so: „Morgen sieht die Welt ganz anders aus.“ Dr. Michael Schredl vom Zentralinstitut für seelische Gesundheit im Mannheim meint, dass Träume eine ganz ähnliche Funktion haben, wie das Denken und Nachsinnen im Wachen. Sie helfen uns Probleme oder Stress zu erkennen und zu verarbeiten, kreativ zu sein und Sinn zu finden. Prof. Inge Strauch, eine Traumforscherin aus Wien, glaubt: „dass die Psyche die Zeit des Schlafens nutzt, um Erinnerungen und im Wachen angesammelte Eindrücke in neue Erlebnisse umzusetzen und damit wieder aufleben zu lassen. Diese sinnvolle Ausgestaltung der Träume kann somit auch dazu beitragen, Wacherleben zu verarbeiten und Problemlösungen zu erproben.“ Neben diesen psychologischen Funktionen, wird auch diskutiert ob Träume eine physiologische Funktion haben. So glauben manche Forscher, dass sie eine wichtige Rolle für die Gedächtnisbildung haben. Andere Wissenschaftler gehen davon aus, dass Träume Reifungsprozesse des Gehirns unterstützten. Letztendlich wissen wir es nicht.

Aber überlegen sie selbst mal: Welche Funktion haben Träume Ihres Erachtens? Ihre Antwort wird maßgeblich den Umgang mit ihren nächtlichen Erlebnissen bestimmen. Wir glauben, dass der Mensch im Traum sein Leben und seine Erfahrungen reflektiert, mit dem Ziel sich zu entwickeln und zu reifen.

Inge Strauch (2011): Den Träumen auf der Spur; Zugang zur modernen Traumforschung. Verlag Hans Huber

Sigmund Freud (1900): Die Traumdeutung Verlag: Nikol

 

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