Träume verstehen

Progression des Seins

Die Wissenschaften und das Träumen

villinger-frauWenn Sie über das Träumen in populären Zeitschriften lesen, dann stolpern Sie zwangsläufig über die Ansichten von Sigmund Freud und seiner Psychoanalyse. Das liegt einerseits an der geistigen Frische einiger von Freuds Ideen und andererseits daran, dass viele der Freudschen Thesen Widersprüche geradezu provozieren. Tatsächlich spielt Freud in der Forschung nur eine nebensächliche Rolle, eigentlich nur, wenn es darum geht, seine Ansichten zu widerlegen. Aber wer hat heutzutage dann das Sagen?

Es gibt vier Forschungsrichtungen, die jeweils verschiedene Aspekte des Phänomens Traum beschreiben.

  • Die psychologische Traumforschung
  • Die Neurowissenschaften
  • Die Philosophie des Bewusstseins
  • Die Psychotherapie

schredl Sicherlich sind Sie überrascht, wenn ich Ihnen verrate, dass sich die psychologische Traumforschung nicht um die Traumdeutung bemüht. Im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Schaffens steht viel mehr die Frage: Wie lassen sich mit Hilfe der Methoden der empirischen Sozialforschung allgemeingültige Aussagen zum Träumen machen? Forschungsfragen wären dann z.B.: Unterscheiden sich die Träume von Männern und Frauen oder von Kindern und Erwachsenen? Gibt es Menschen mit bestimmten Persönlichkeitseigenschaften, die Träume besser erinnern als andere? Wie wirkt sich das Wachleben auf unsere Traumwelt aus? Antworten auf diese Fragen, suchen die Forscher im Schlaflabor. Dort werden willige Probanten verkabelt und in den jeweiligen Traumphasen geweckt. Dann werden sie nach ihren Träumen befragt, die schließlich notiert werden. Als nächstes finden sogenannte Trauminhaltsanalysen statt.  Das bedeutet, dass Trauminhalte kategorisiert und gezählt werden. Schließlich werden die Daten auf die Forschungsthesen hin überprüft. Einen umfassenden Überblick über die Erkenntnisse der Traumforschung finden Sie in Prof. Dr. Michael Schredls Buch mit dem schlichten Titel  „Träume“.


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Die Neurowissenschaftler sind an den physiologischen Prozessen des schlafenden Gehirns interessiert. Hier geht es um solche Fragen wie: Welche Gehirnareale sind aktiv, wenn Menschen träumen? Wie und wo entstehen Träume im Gehirn? Welche physiologischen Unterschiede kennzeichnen das Traum- und Wachbewusstsein? Weshalb träumen manche Menschen nicht mehr? Die beiden Protagonisten der Traumforschung sind Mark Solms und Allan Hobson, die zum Teil die Ergebnisse der Forschung widersprüchlich deuten. Dies zeigt, dass das letzte Wort in Sachen Traum noch lange nicht gesprochen wurde.

egotunnelDie Philosophen beschäftigen sich damit, die verschiedensten Erkenntnisse der Psychologen und Hirnforscher zu integrieren. Aus einer Metaperspektive bewerten sie die Ergebnisse der Wissenschaftler neu und versuchen Antworten auf grundlegende Fragen zu formulieren, wie: „Welche Funktion hat das Träumen?“ „Was sind Träume?“ „Was ist das Bewusstsein?“ „Gibt es ein Selbst?“ „Was ist der Mensch?“. Träume und gerade die luziden Träume sind für die Philosophen deswegen so interessant, weil diese eine besonderen Modus des Bewusstseins darstellen. Thomas Metzinger beschäftigt sich schon lange mit der Philosophie des Bewusstseins. Sein Buch „Der Ego-Tunnel: Eine neue Philosophie des Selbst: Von der Hirnforschung zur Bewusstseinsethik“ möchte ich hierzu empfehlen.

umschlag-kleinUnd schließlich die Perspektiven der Psychotherapeuten. Sie disqualifizieren zunehmend die Deutungen eines Traum durch den Therapeuten. Denn jeder Traum ist das geistige Kind seines Träumers und sollte durch das tapsige Drauflosanalysieren eines „Anderen“ nicht zertreten werden. Therapeuten führen die Träumer heutzutage mit einfühlsamen Fragen durch deren Traumlandschaften. Dabei geht es in erster Linie um Brücken, die ins Wachleben führen. Wie Sie sich selbst „befragen“ können und einen ganz eigenen Weg in den Dschungel ihres Unbewussten schlagen, erfahren Sie in dem Buch: Träume verstehen von Markus Salhab.

Categories: Traumblog

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